Eine internationale Registerstudie untersuchte PIPAC bei 156 Menschen mit Bauchfellmetastasen eines Bauchspeicheldrüsenkrebses. In den Registerdaten wurden keine schweren chirurgischen Komplikationen dokumentiert; schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 10 von 350 Anwendungen auf. Ob PIPAC das Überleben verlängert, kann diese rückblickende Studie jedoch nicht beweisen.
Worum geht es?
Bauchspeicheldrüsenkrebs kann sich auf das Bauchfell ausbreiten. Man spricht dann von Bauchfellmetastasen oder peritonealen Metastasen. Sie können unter anderem zu Bauchwasser, Darmproblemen, Gewichtsverlust und einer deutlichen Einschränkung des Allgemeinzustands führen.
Die PIPAC (Pressurized Intraperitoneal Aerosol Chemotherapy) ist eine örtliche Behandlung im Bauchraum. Dabei wird während einer Bauchspiegelung ein Chemotherapeutikum als fein verteilter, unter Druck stehender Nebel in die Bauchhöhle eingebracht. PIPAC kann in ausgewählten Situationen zusätzlich zu einer systemischen Chemotherapie eingesetzt werden. Sie ist keine Heilbehandlung und kommt nicht für alle Betroffenen infrage.
Studiensteckbrief
- Studientyp: rückblickende, multizentrische Registerstudie; nicht randomisiert
- Teilnehmende: 156 Menschen mit Bauchfellmetastasen eines duktalen Adenokarzinoms der Bauchspeicheldrüse
- Behandlungen: insgesamt 350 PIPAC-Anwendungen
- Zeitraum: 2016 bis 2025
- Zentren: sechs spezialisierte Zentren in Italien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Österreich
- Untersucht wurden: Durchführbarkeit, Sicherheit, Gründe für einen Behandlungsabbruch, Therapieansprechen und Überleben
Zentrale Ergebnisse
- 55 von 156 Personen (35,2 Prozent) erhielten mindestens drei PIPAC-Behandlungen.
- Es wurden keine schweren chirurgischen Komplikationen ab Grad 3 nach Clavien-Dindo dokumentiert.
- Schwere unerwünschte Ereignisse der Grade 3 oder 4 traten bei 10 von 350 Anwendungen auf (2,9 Prozent pro Anwendung).
- Sechs Personen starben innerhalb von 30 Tagen nach einer PIPAC. Laut Studienbericht waren alle sechs Todesfälle auf das Fortschreiten der Krebserkrankung und nicht auf eine Komplikation des Eingriffs zurückzuführen.
- Der häufigste Grund für das Beenden der PIPAC-Behandlung war ein Fortschreiten der Erkrankung. Auch ein schlechter werdender Allgemeinzustand spielte eine wichtige Rolle.
- Bei 23 der 55 Personen (41,8 Prozent) lag der Gewebescore PRGS bei der dritten PIPAC bei höchstens 2 oder war gegenüber der ersten PIPAC um mindestens einen Punkt gesunken. Ob diese Befunde durch PIPAC verursacht wurden, lässt sich aus der Studie nicht ableiten.
- Bei 8 Personen (14,5 Prozent) nahm der PCI, ein während der Bauchspiegelung erhobenes Maß für die Tumorausdehnung am Bauchfell, um mindestens drei Punkte ab.
Was zeigen die Überlebensdaten?
Für die Überlebensanalyse standen Daten von 140 Personen zur Verfügung. Das mediane Gesamtüberleben betrug:
- 19 Monate ab der Diagnose der Bauchfellmetastasen
- 9 Monate ab der ersten PIPAC-Behandlung
Dies sind beschreibende Werte einer stark ausgewählten Patientengruppe. Sie sind keine Vorhersage für einzelne Betroffene und können nicht direkt mit den Ergebnissen unbehandelter oder ausschließlich systemisch behandelter Menschen verglichen werden.
Personen, die mindestens drei PIPAC-Anwendungen erhielten, lebten in der Auswertung länger als Personen mit weniger Anwendungen. Auch unter einer PIPAC mit Nab-Paclitaxel wurden längere Überlebenszeiten beobachtet als unter Cisplatin und Doxorubicin.
Diese Vergleiche dürfen jedoch nicht als Beweis für eine bessere Wirksamkeit verstanden werden. Menschen, die mehrere Behandlungen erhalten konnten, waren zu Beginn häufig in einem besseren Allgemeinzustand und hatten eine geringere Tumorlast. Zudem erhielten die Behandlungsgruppen unterschiedlich häufig eine begleitende systemische Chemotherapie und waren unterschiedlich vorbehandelt. Die Ergebnisse zu Nab-Paclitaxel sind deshalb vor allem eine Grundlage für weitere Forschung.
Kurze Einordnung
Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass PIPAC in spezialisierten Zentren bei sorgfältig ausgewählten Menschen mit Bauchfellmetastasen eines Bauchspeicheldrüsenkrebses technisch durchführbar sein kann. In dieser ausgewählten Registerkohorte wurden pro Anwendung vergleichsweise wenige schwere unerwünschte Ereignisse dokumentiert. Wegen des rückblickenden Designs, möglicher unvollständiger Registerdaten und der fehlenden Vergleichsgruppe lässt sich die Sicherheit daraus jedoch nur eingeschränkt beurteilen.
Gleichzeitig konnte nur etwa ein Drittel der Teilnehmenden mindestens drei Anwendungen erhalten. Das zeigt, wie stark der weitere Behandlungsverlauf vom Allgemeinzustand und von der Aggressivität der Erkrankung abhängt.
Grenzen der Studie
- rückblickende Auswertung ohne zufällige Zuteilung zu Behandlungsgruppen
- keine unbehandelte oder ausschließlich systemisch behandelte Vergleichsgruppe
- deutliche Auswahl besonders geeigneter und ausreichend belastbarer Patientinnen und Patienten
- Unterschiede zwischen den verwendeten Medikamenten und Begleittherapien
- teilweise fehlende Registerdaten
- beobachtete Zusammenhänge erlauben keinen sicheren Nachweis, dass PIPAC das Leben verlängert
Bedeutung für Patientinnen und Patienten
PIPAC kann bei sorgfältig ausgewählten Menschen mit Bauchfellmetastasen eines Bauchspeicheldrüsenkrebses als zusätzliche palliative Behandlung in einem spezialisierten Zentrum erwogen werden. Ein Überlebensvorteil ist bislang nicht nachgewiesen; Nutzen, geeignete Patientenauswahl und optimale Einbindung in die übrige Behandlung müssen in prospektiven Studien geklärt werden. Ob PIPAC im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Allgemeinzustand, von der Ausdehnung der Erkrankung, von weiteren Metastasen, von vorausgegangenen Behandlungen und von den persönlichen Therapiezielen ab.
Die Entscheidung sollte in einem spezialisierten, interdisziplinären Tumorboard getroffen werden. Die systemische Chemotherapie bleibt ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Aus dieser Studie lässt sich keine allgemeine Empfehlung für PIPAC oder für ein bestimmtes Medikament ableiten.
Quelle
Di Giorgio A, Catania P, Ferracci F, et al. Pressurized intraperitoneal aerosol chemotherapy (PIPAC) for pancreatic cancer peritoneal metastases: A retrospective multicentric study from the ISSPP PIPAC Database. European Journal of Surgical Oncology. 2026;52:112078. doi: 10.1016/j.ejso.2026.112078.
Prof. Dr. Tarkan Jäger ist Mitautor der Veröffentlichung.
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Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information von Patientinnen und Patienten. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine individuelle Therapieentscheidung.